Ressourcen-Killer Projekt - Die 5 größten Kostenfallen im Projektmanagement
Schlechtes Projektmanagement ist sehr lange unsichtbar
Der schleichende Prozess
Es bleibt lange unbemerkt. Die ersten Timeline-Verschiebungen tun nicht weh, die Verantwortlichen in den Projekten sind "eh-da-Kosten", zu Beginn sind die Ressourcen nicht knapp. Die ersten Aufgabenpakete werden nach und nach angestoßen - noch herrscht wenig Parallelität in den ToDos. Zunächst scheint alles reibungslos zu funktionieren, doch die tatsächlichen Kosten von schlechtem PM offenbaren sich erst im Verlauf des Projekts. Um die finanzielle Integrität deines Vorhabens zu wahren, ist es unerlässlich, versteckte Kostenfallen zu erkennen und ihnen frühzeitig entgegenzuwirken. Hier sind fünf der größten Kostenfallen, die in Projekten lauern:
1. Unzureichende Auftragsklärung als Basis für eine fehlerhafte Planung
- Was ist der Zweck des Projekts?
- Welches Ziel oder welche Ziele sollen damit erreicht werden?
- Wie messen wir, ob die Ziele erreicht wurden?
- Welche Ressourcen benötigen wir für die Zielerreichung?
Ist dies nicht klar definiert, sind Missverständnisse aufgrund von Eigeninterpretationen vorprogrammiert. Wie bei der Flüsterpost kommt am Ende etwas vollkommen anderes an, als ursprünglich bezweckt. Diese falsche Nachricht zieht sich wie ein roter Faden durchs Projekt und früher oder später stolpert das gesamte Projekt darüber. Die Kosten für Ressourcen- und Kapitaleinsatz sind irreversibel. Das Geld ist ausgegeben. Gehe nicht über Los und ziehe keine Projekterfolge ein. Eine McKinsey-Studie zeigt, dass unzureichende Auftragsklärungs- und darauf aufbauende Planungsprozesse zu Margenverlusten von 5 bis 10 % führen können, was bei einem Projektvolumen von 50 Millionen Euro zu vermeidbaren Kosten von bis zu 2,5 Millionen Euro führt. (Quelle: McKinsey & Company, "Delivering large-scale IT projects on time, on budget, and on value")
2. Der Empfänger entscheidet über den Inhalt der Nachricht - wenn er sie denn bekommt
...Set-up der Kommunikationsstrategie
- Informationen kommen nicht oder nicht rechtzeitig bei den Verantwortlichen an, die sie erhalten sollten
- Infolge dessen werden entweder keine oder "falsche" Entscheidungen (unzureichende Entscheidungsgrundlage) getroffen
3. Das haben wir schon immer so gemacht...
...ist leider kein Standard
Nur 21 % der Organisationen arbeiten nach anerkannten Projektmanagement-Standards. Wenn Standards fehlen, werden Abläufe ineffizient und die Fehlerquote steigt. Ohne klares Rahmenwerk kommt es zu oft schwerwiegendem PM-Missmanagement. Zeit und Geld werden verschwendet. Auch hier leidet die Team-Motivation, der Zusammenhalt und damit auch das Projekt.
4. Risiken- und Chancenmanagement ist kein Nice-to-have – Wenns mal wieder schnell gehen muss
5. Technologische Überlastung – Vom Pferd zum Auto
Strategien zur Kostenvermeidung: Wegweiser für erfolgreiche & budgettreue Projekte
Was einen guten Projektmanager von einem sehr guten Projektmanager unterscheidet? Der gute Projektmanager verwaltet sein Projekt gut. Ein sehr guter Projektmanager ist immer einen Schritt voraus. Deshalb ist es wichtig proaktiv zu handeln. Warum? Weil man sich so Optionen schaffen kann, bevor andere Umstände oder Stakeholder die Entscheidungen treffen!
1. Gründliche Auftragsklärung & Planung - Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Stakeholder!
- Verständnissteckbrief zur Auftragsklärung zwischen Auftraggeber und Projektleitung
- Durchführung eines Business Case (durch den Auftraggeber oder gemeinsam mit dem Auftraggeber)
- Einzelgespräche mit allen wichtigen Stakeholdern (Führungsebene)
- Projektstart-Workshop mit dem gesamten Projektteam
- Lieferumfang und Lieferobjekte zum Gesamtprojekt festlegen
- SLAs (Service Level Agreements), in denen ganz konkret Leistungsumfang, Ressourcen und Qualität zu den Lieferobjekten zwischen den Schnittstellen vereinbart werden
2. Kommunikationsstrategie definieren & umsetzen
Muss ich es sagen oder musst du es hören?
Dabei helfen:
- Stakeholder-Analyse (wer sind meine Stakeholder, was müssen sie wissen?)
- Definition der Kommunikationsstrategie mit Hilfe eine Matrix (Kommunikationsstrategie nach Stakeholder inkl. konkret definierter Maßnahmen)
- Regelterminplanung (Achtung: muss i.d.R. auch im Projektverlauf angepasst werden)
- Verantwortlichkeiten mit einer RACI-Matrix definieren (R=responsible, A = accountable, C = consulted, I = informed)
3. Projekt-Standards definieren
- Mache dich mit den Bedürfnissen deines Projektes vertraut und ermittle, welche Standards (PMI, IPMA, PRINCE2) und Methoden (Klassische PM-Standards, Agile PM-Standards, Hybride PM-Standards) dein Projekt sinnvoll unterstützen.
- Achte darauf die Tools gezielt und sinnvoll einzusetzen - weniger ist manchmal mehr.
4. Aktives Chancen- und Risikomanagement
Darüber sprechen reicht nicht!
Mache Chancen und Risiken transparent, indem du sie gemeinsam mit deinen Stakeholdern identifizierst, bewertest und geeignete Maßnahmen definierst. Dokumentation bedeutet nicht gleich Steuerung! Das proaktive Durchspielen von sämtlichen Szenarien schafft Transparenz und Bewusstsein auch über die Schnittstellen hinaus - damit bist du "on top of things"!
- SWOT-Analyse als Basis für die Chancen- und Risikoidentifikation
- Chancen- & Risikomatrix erstellen inkl. Beschreibung (Ursache ist ausschlaggebend), Bewertung (Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenhöhe) und Maßnahme. Wichtig: nicht jedes Risiko oder jede Chance muss gesteuert werden - hier liegt der Schlüssel in der Verhältnismäßigkeit. Wenn eine Maßnahme definiert wird, muss die Umsetzung auf jeden Fall überwacht werden.
- Review / Lessons Learned aus vergangenen Projekten betrachten
5. Neue Technologien ehrlich bewerten
- Szenario-Planung, parallelisiert
- Definition Go/NoGo Kriterien
- Aktive Steuerung der Arbeitspakete
- Dokumentation der Ergebnisse
- Task Force Bildung zu einzelnen Szenarien
Ein echter Hebel: Projektmanagement Exzellenz
- Kosteneinsparungen: Durch das Erkennen und Vermeiden versteckter Kosten können erhebliche Einsparungen erzielt werden.
- Effizienzsteigerung: Klare Prozesse und Standards führen zu effizienteren Abläufen und weniger Fehlern.
- Höhere Erfolgsquote: Gut geplante und kommunizierte Projekte weisen eine höhere Erfolgsquote auf und sind weniger anfällig für Budgetüberschreitungen.
- Risikominimierung: Ein aktives Risikomanagement reduziert potenzielle Probleme und sorgt für Optionen und Stabilität.
- Verbesserte Teamarbeit: Eine transparente Kommunikationskultur fördert die Zusammenarbeit im Team und steigert die Motivation. Projekte werden nicht zu Wanderpokalen sondern zum Erfolgsfaktor.
Was das für dich bedeutet
- Ist mir mein Projektauftrag klar? Wollen Auftraggeber und Projektteam das Gleiche?
- Nutze ich eine effektive und effiziente Kommunikationsstrategie oder erzähle ich allen alles?
- Nutzen wir Standards zur Orientierung im Projekt?..oder doch eher Bauchgefühl?
- Sind Chancen und Risiken identifiziert, bewertet und aktiv gesteuert?
- Haben wir neue Technologien ehrlich bewertet?..oder gehen wir davon aus, dass es schon irgendwie klappt?
Erfolgreiche Projekte sind kein Zufall.
