Podcast Folge 22: Plötzlich Projektmanager: Herausforderungen in der neuen Führungsrolle und wie du sie meisterst
Viele Projektmanagerinnen und Projektmanager kennen diese Situation: Eben warst du noch Teil des Teams, plötzlich trägst du Verantwortung, sollst Entscheidungen treffen, Orientierung geben und Menschen mitnehmen. Was auf dem Papier nach dem nächsten logischen Karriereschritt klingt, fühlt sich in der Praxis oft ganz anders an.
Denn Führung bedeutet nicht nur, Projekte zu planen, Aufgaben zu verteilen und Deadlines im Blick zu behalten. Führung beginnt viel früher – bei der eigenen inneren Haltung.
In unserer neuen Podcastfolge spricht Sebastian mit Corinna Nehe über genau diesen Rollenwechsel. Sie begleitet Menschen als Coachin dabei, aus innerer Klarheit heraus zu arbeiten, zu führen und zu wachsen. Im Gespräch geht es um Selbstkommunikation, innere Stabilität, den Umgang mit Druck und die Frage, ob Führung überhaupt zu einem Menschen passt.
Gute Führung beginnt bei dir selbst
Viele denken bei Führung zuerst an Kommunikation im Team: klare Ansagen, gute Meetings, Entscheidungen und Konfliktfähigkeit. All das ist wichtig. Doch bevor eine Führungskraft nach außen wirkt, passiert sehr viel im Inneren.
Wie spreche ich mit mir selbst?
Was denke ich, wenn ein Projekt schwierig wird?
Reagiere ich aus Klarheit – oder aus Druck, Angst und Selbstzweifeln?
Gerade neue Projektleiterinnen und Projektleiter erleben häufig einen starken inneren Anspruch. Sie wollen alles richtig machen, keine Schwäche zeigen und jederzeit den Überblick behalten. Doch genau dieser Anspruch kann schnell zur Belastung werden.
Corinna macht deutlich: Wer sich selbst besser versteht, kann auch andere besser führen. Denn der innere Dialog beeinflusst, wie wir auftreten, entscheiden und mit Belastung umgehen
Der innere Kern als Orientierung
Ein zentrales Bild aus dem Gespräch ist der innere Kern. Gemeint ist damit das, was einen Menschen im Innersten ausmacht: Werte, Bedürfnisse, Stärken und das eigene Gefühl dafür, was wirklich stimmig ist.
Für Projektmanagerinnen und Projektmanager ist diese Verbindung besonders wichtig. In Projekten gibt es viele Erwartungen von außen: vom Team, vom Management, von Kunden oder Stakeholdern. Wer dabei keinen Kontakt zu sich selbst hat, läuft Gefahr, nur noch zu funktionieren.
Innere Klarheit hilft, besser zu unterscheiden:
· Was gehört wirklich zu meiner Rolle?
· Welche Erwartungen darf ich prüfen?
· Wo muss ich Verantwortung übernehmen?
· Und wo darf ich auch eine Grenze setzen?
Führung bedeutet nicht, eine Rolle zu spielen. Führung wird dann wirksam, wenn sie zur eigenen Persönlichkeit passt.
Typische Herausforderungen neuer Projektleiterinnen und Projektleiter
Wer zum ersten Mal ein Projekt oder Team übernimmt, bringt oft alte Muster mit in die neue Rolle. Besonders häufig geht es um Perfektionismus, Kontrolle und Harmoniebedürfnis.
Perfektionismus zeigt sich im Wunsch, alles richtig machen zu müssen. Gerade am Anfang wollen viele beweisen, dass sie der Verantwortung gewachsen sind.
Sie versuchen, jede Frage zu beantworten, jede Aufgabe im Blick zu behalten und keine Unsicherheit zu zeigen.
Kontrolle entsteht oft aus dem Bedürfnis nach Sicherheit. Doch wer alles selbst kontrollieren will, nimmt dem Team Verantwortung und überfordert sich selbst.
Auch Harmoniebedürfnis kann zur Herausforderung werden. Viele neue Führungskräfte möchten Konflikte vermeiden – besonders dann, wenn sie vorher Teil des Teams waren. Doch unausgesprochene Spannungen verschwinden nicht. Sie werden meist größer.
Gute Projektleitung bedeutet deshalb auch, Konflikte wahrzunehmen, anzusprechen und auszuhalten.
Muss Führung wirklich zu mir passen?
Ein wichtiger Gedanke aus der Folge: Nicht jeder Mensch muss führen wollen. Und nicht jede Entscheidung gegen eine Führungsrolle ist ein Scheitern.
Manche Menschen merken erst in der Praxis, dass sie fachlich arbeiten und gestalten möchten, aber keine dauerhafte Führungsverantwortung übernehmen wollen. Andere stellen fest, dass Führung grundsätzlich zu ihnen passt – aber nur auf eine bestimmte Art.
Die entscheidende Frage lautet also nicht nur: Kann ich das?
Sondern auch: Will ich das wirklich?
Führung lässt sich lernen. Methoden, Kommunikation, Konfliktfähigkeit und Selbstführung können entwickelt werden. Aber die eigene Haltung zur Rolle sollte ehrlich geklärt werden. Wer gegen sich selbst führt, wird langfristig kaum gesund und wirksam bleiben.
Gefühle sind kein Störfaktor im Projekt
Im Projektalltag werden Gefühle oft ausgeblendet. Viele glauben, Professionalität bedeute, Emotionen möglichst nicht zu zeigen. Doch Gefühle wirken trotzdem – in Entscheidungen, Körpersprache, Tonfall oder Rückzug.
Gerade unter Druck lohnt es sich, Gefühle bewusst wahrzunehmen. Ärger kann zeigen, dass eine Grenze überschritten wurde. Unsicherheit kann darauf hinweisen, dass Klarheit fehlt. Stress kann sichtbar machen, dass Erwartungen nicht sauber geklärt sind.
Das bedeutet nicht, Emotionen ungefiltert ins Team zu tragen. Es bedeutet, sie als Information zu nutzen.
Eine Führungskraft, die ihre menschliche Seite kennt, wirkt nicht schwächer. Im Gegenteil: Sie kann klarer, ehrlicher und oft auch verbindender kommunizieren.
Vom Teammitglied zur Führungskraft
Besonders herausfordernd ist der Wechsel, wenn jemand aus dem Team heraus in die Projektleitung geht. Die Menschen bleiben dieselben – aber die Rolle verändert sich.
Plötzlich müssen ehemalige Kolleginnen und Kollegen geführt werden. Entscheidungen müssen getroffen, Grenzen gesetzt und Erwartungen geklärt werden. Viele neue Projektleiterinnen und Projektleiter versuchen zunächst, alles wie bisher laufen zu lassen. Doch genau das sorgt oft für Unsicherheit.
Hilfreich ist ein offener Umgang mit dem Rollenwechsel. Was bleibt gleich? Was verändert sich? Welche Verantwortung liegt jetzt bei der neuen Führungskraft? Und welche Erwartungen gibt es im Team?
Menschlich nahbar zu bleiben und gleichzeitig die neue Rolle klar einzunehmen, ist kein Widerspruch. Es ist eine der wichtigsten Aufgaben in dieser Übergangsphase.
Frauen in Führungsrollen
Im Gespräch geht es auch um Frauen in Führungspositionen, besonders in männerdominierten Teams. Viele erleben, dass sie sich stärker beweisen müssen oder anders bewertet werden als Männer.
Was bei Männern als durchsetzungsstark gilt, wird bei Frauen manchmal kritischer gesehen. Gleichzeitig entsteht häufig der Druck, sich an männlich geprägte Führungsbilder anzupassen.
Corinna betont: Entscheidend ist nicht, eine fremde Rolle zu kopieren. Entscheidend ist, eine eigene, stimmige Form von Führung zu entwickeln. Dazu gehören Klarheit, Grenzen, Sichtbarkeit und der Mut, uns nicht kleiner zu machen, als wir sind.
Fazit
Projektleitung beginnt nicht mit dem perfekten Projektplan. Sie beginnt mit Selbstführung.
Wer neu in eine Führungsrolle kommt, muss nicht vom ersten Tag an alles können. Unsicherheit gehört dazu. Entscheidend ist, bewusst mit ihr umzugehen, die eigene Rolle zu klären und den Kontakt zu sich selbst nicht zu verlieren.
Gute Führung entsteht nicht dadurch, dass wir weniger menschlich werden. Sie entsteht dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen, klar kommunizieren und gleichzeitig bei sich bleiben.
Für Projektmanagerinnen und Projektmanager bedeutet das: Wer sich selbst klarer führt, kann auch andere klarer durch komplexe Projekte begleiten.
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Dein Sebastian – bis zum nächsten Mal!
